Hans Joachim von Hörsten

Zitate

Eine Sammlung von Zitaten, ohne irgendeine Bewertung, die mir beim Lesen aufgefallen sind.

BRAHMAN = ATHMAN

Søren Kierkegaard in "Das ewige Bewusstsein im Menschen":
Wenn kein ewiges Bewusstsein wäre im Menschen, wenn allem nichts als eine wild gärende Macht zugrunde läge, die, in dunklen Leidenschaften sich windend, alles hervorbrächte, was groß ist und was gering ist, wenn eine abgründliche Leerheit, nimmer sich sättigend, sich unter allem verbärge, was wäre dann das Leben andres als Verzweiflung?

Franz Kafka
Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.

Leo Schestow
Wenn Gott die Menschen betrügt, bedeutet das nicht, dass Gott schuldig ist. Die Menschen sind schuldig, und zwar nicht, weil sie sich haben betrügen lassen - wie könnte der Mensch die List Gottes, seines Schöpfers, durchschauen! - sondern weil sie ihren Schöpfer begrenzt haben, indem sie den Äußerungen Seines Willens Gesetze auferlegen.

Ludwig Wittgenstein aus Tractatus philosophicus 7:
Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
Tractatus philosophicus 6.522:
Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.
Tractatus philosophicus 6.44:
Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist.
Tractatus logico philosophicus 6.4311:
Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt....

Laotse Anfang des Tao Te King:

Das TAO, das sich aussprechen lässt
ist nicht das ewige TAO
Der Name, der sich nennen lässt
ist nicht der ewige Name.
Nichtsein nenne ich den Anfang von Himmel und Erde
Sein nenne ich die Mutter der Einzelwesen.
Darum führt die Richtung auf das Nichtsein
zum Schauen des wunderbaren Wesens,
die Richtung auf das Sein
zum Schauen der räumlichen Begrenztheiten.
Beides ist eins dem Ursprung nach
und nur unterschiedlich durch den Namen.
In seiner Einheit heißt es das Geheimnis.
Des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis
ist das Tor, durch das alle Wunder hervortreten.

Meister Eckhard (aus Quint: Deutsche Predigten und Traktate, Predigt 32: "Armutspredigt"):
So denn sagen wir, dass der Mensch so arm dastehen müsse, dass er keine Stätte sei noch habe, darin Gott wirken könne. Wo der Mensch (noch) Stätte (in sich) behält, da behält er noch Unterschiedenheit. Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt mache; denn mein wesentliches Sein ist oberhalb von Gott, sofern wir Gott als Beginn aller Kreaturen fassen. In jenem Sein Gottes nämlich, wo Gott über allem Sein und über aller Unterschiedenheit ist, dort war ich selber, da wollte ich mich selber und erkannte mich selber (willens), diesen Menschen (= mich) zu schaffen. Und darum bin ich Ursache meiner selbst meinem Sein nach, das ewig ist, nicht aber meinem Werden nach, das zeitlich ist. Und darum bin ich ungeboren, und nach der Weise meiner Ungeborenheit kann ich niemals sterben. Nach der Weise meiner Ungeborenheit bin ich ewig gewesen und bin ich jetzt und werde ich ewig bleiben. Was ich meiner Geborenheit nach bin, das wird sterben und zunichte werden, denn es ist sterblich; darum muss es mit der Zeit verderben. In meiner (ewigen) Geburt wurden alle Dinge geboren, und ich war Ursache meiner selbst und aller Dinge; und hätte ich gewollt, so wäre weder ich noch wären alle Dinge; wäre aber ich nicht, so wäre auch "Gott" nicht: daß Gott "Gott" ist, dafür bin ich die Ursache; wäre ich nicht, so wäre Gott nicht "Gott".
Nachdem er nach diesem Höhenflug wieder hinter seiner Kanzel gelandet war, und die fassungslosen Gesichter der Zuhörer sah, fügte er noch an: Dies zu wissen ist nicht not.

Denn liebst du Gott, wie er Geist, wie er Person und wie er Bild ist, - das alles muß weg. Du sollst ihn lieben wie er ist ein Nicht-Gott, ein Nicht-Geist, eine Nicht-Person, ein Nicht-Bild, mehr noch : wie er ein lauteres, klares Eines ist, abgesondert von aller Zweiheit. Und in diesem Einen sollen wir ewig versinken vom Etwas zum Nichts.

Heinrich Heine (1797 - 1856) :

Laß die heil‘gen Parabolien,
laß die frommen Hypothesen
suche die verdammten Fragen
ohne Umschweif uns zu lösen.

Warum schleppt sich blutend, elend,
unter Kreuzlast der Gerechte,
während glücklich als ein Sieger
trabt auf hohem Roß der Schlechte?

Woran liegt die Schuld? Ist etwa
unser Herr nicht ganz allmächtig?
Oder treibt er selbst den Unfug?
Ach, das wäre niederträchtig.

Also fragen wir beständig,
bis man uns mit einer Handvoll
Erde endlich stopft die Mäuler
aber ist das eine Antwort?

Bettina von Arnim (1785 - 1859) :

Wer ist des Staates Untertan? Der Arme ists!- Nicht der Reiche auch?- Nein, denn seine Basis ist Selbstbesitz und seine Überzeugung, daß er nur sich angehöre!- Den Armen fesseln die Schwäche, die gebundenen Kräfte an seine Stelle.- Die Unersättlichkeit, der Hochmut, die Usurpation fesseln den Reichen an die seine. Sollten die gerechten Ansprüche des Armen anerkannt werden, dann wird er mit unzerreißbaren Banden der Blutsverwandtschaft am Vaterlandsboden hängen, der seine Kräfte der Selbsterhaltung weckt und nährt, denn die Armen sind ein gemeinsam Volk, aber die Reichen sind nicht ein gemeinsam Volk, da ist jeder für sich und nur dann sind sie gemeinsam, wenn sie eine Beute teilen auf Kosten des Volkes.

Meister Dogen (1200 - 1253) :

Zen studieren bedeutet,
sich selbst studieren.
Sich selbst studieren bedeutet,
sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen bedeutet,
in Harmonie zu sein mit allem,
was uns umgibt.

Friedrich Nietzsche Die Geburt der Tragödie:

Dieser erhabene metaphysische Wahn ist als Instinkt der Wissenschaft beigegeben und führt sie immer wieder zu ihren Grenzen, an denen sie in Kunst umschlagen muss: auf welche es eigentlich, bei diesem Mechanismus, abgesehen ist.

Friedrich Nietzsche Das trunkene Lied :

O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
"Ich schlief, ich schlief -,
aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh -,
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
doch alle Lust will Ewigkeit -,
- will tiefe, tiefe Ewigkeit!"

Immanuel Kant Der kategorische Imperativ (aus:Kritik der praktischen Vernunft):
"Handle so, dass die Maxime Deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne"

William Shakespeare Beginn des Hamket-Monologs (3. Aufzug, 1. Szene):

Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage:
Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
Des wütenden Geschicks erdulden oder,
Sich waffnend gegen eine See von Plagen,
Durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen –
.....

Thomas Nagel Überschrift eines Aufsatzes (1974): What is it like to be a bat?

Nazim Hikmet

Leben wie ein Baum
einzeln und frei
und brüderlich wie ein Wald
das ist unsere Sehnsucht

André Comte-Sponville

Wenn Sie jemanden treffen, der behauptet: "Ich weiß, dass Gott nicht existiert", ist das kein Atheist, sondern ein Idiot.
Und wenn Ihnen einer sagt: "Ich weiß, dass Gott existiert.", ist das ein Idiot, der seinen Glauben für Wissen hält.

Thomas Nagel in "Der Blick von Nirgendwo" Kap.IV, S.99

Die Tatsache, dass ich überhaupt in der Welt enthalten bin, ist nicht leichthin zu schlucken. Es erscheint verwunderlich, dass das azentrische Universumin all seiner raumzeitlichen Unermesslichkeit ausgerechnet mich hervorgebracht haben soll - und ausgerechnet ich daraus hervorgegangen bin, dass dieses Universum TN erzeugt haben soll. Unendlich lange Zeit hat es mich nicht gegeben, aber mit der Bildung eines bestimmten physischen Organismus zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort gibt es plötzlich mich, und zwar so lange der Organismus überlebt. Im objektiven Geschehen des Kosmos erzeugt dieses (für mich!) erstaunliche Ereignis kaum einen Hauch. Wie kann das Vorhandensein eines bestimmten Individuums einer bestimmten Spezies dies bemerkenswerte Ereignis nach sich ziehen?

Mascha Koléko: Momento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
— Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.

Mascha Koléko: Eines morgens ...

Eines Morgens wachst du auf
und bist nicht mehr am Leben.
Über Nacht, wie Schnee und Frost,
hat es sich begeben.
Aller Sorgen dieser Welt bist du nun enthoben.
Krankheit, Alter, Ruhm und Geld sind wie Wind zerstoben.
Friedlich sonnst du dich im Licht einer neuen Küste
ohne Ehrgeiz, ohne Pflicht.
- Wenn man das nur wüsste!

Anatta

Vor 2 1/2 Tausend Jahren lebte in Nord-Indien der Philosoph Sidharta Gautama (der später der "Buddha" genannt wurde). Gautama war zunächst gläubiger Brahmane, für ihn galt somit die Gleichung "Atman = Brahman" (Seele und Gott sind eins). Nach Meditationen und tiefem Nachdenken gelangte er zu der Einsicht, dass beide Seiten der Gleichung Null sind: es gibt weder Seele noch Gott. Er begründete damit die Anatta-Lehre (Pali für "Nicht-Selbst", auf Sanskrit: "Anatman").
Damit hat er die Wiedergeburts-Lehre aufgehoben (was wird denn wiedergeboren, wenn kein Atman ist?), und auch das Problem der Theodizee gibt es dann nicht mehr (welcher Gott sollte für das Übel in der Welt verantwortlich sein, wenn keiner vorhanden ist?).
Zunächst scheint die Lehre reiner Nihilismus zu sein. Ich glaube aber, dass die Lehre vielmehr dazu geeignet ist, eine oberflächliche Betrachtungsweise beieseite zu räumen, um auf eine tiefere Ebene zu gelangen.
Die Welt ist derart rätselhaft, dass sich eine vorschnelle Betrachtungsweise verbietet. Wir müssen vielmehr versuchen, eine Welt zu verstehen, in der Individualität nur eine temporäre Erscheinung ist. Letztlich gipfeln alle Überlegungen in dem eine Punkt: Nirvana.


Viele Gedichte findest Du auch unter http://www.gedichte.vu/

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Impressum

 

 

 

 

 

 

 

 

Daran erkenn ich den gelehrten Herrn! Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern, was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar, was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr, was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht, was ihr nicht münzt, das meint ihr, gelte nicht! Quelle: Faust 2, I, Saal des Thrones. (Mephistopheles) Johann Wolfgang von Goethe deutscher Dichter (1749 - 1832)